Die fünf größten aktuellen Problemstellungen im Credit- und Forderungsmanagement österreichischer KMU

  1. Zunehmende Zahlungsausfälle

Immer mehr österreichische KMU sehen sich auch 2025 mit verspäteten Zahlungen und Forderungsausfällen konfrontiert. Laut einer Studie des Kreditschutzverbandes wird jede sechste Rechnung verspätet beglichen, häufig erst nach mehr als 60 Tagen. Die anhaltende Inflation, hohe Energiekosten und sinkende Auftragseingänge schwächen die Zahlungsmoral der Kunden. Zeitgleich sorgen steigende Insolvenzen – 2025 rund 8.000 Fälle –  dafür, dass das Risiko von Forderungsausfällen weiter steigt. Die Folge sind Liquiditätsengpässe und höhere Finanzierungskosten auf Seiten der Lieferanten

Laut Creditreform sollten erfahrene Credit Manager sollten ein dynamisches Risikoscoring-System implementieren, das Echtzeitdaten aus Bonitätsdatenbanken, Zahlungserfahrungen und makroökonomischen Indikatoren integriert. KI-basierte Modelle verbessern darüber hinaus eine frühzeitige Risikoerkennung. Außerdem ist zu empfehlen, dass Risiken nicht nur auf der Ebene einzelner Debitoren betrachtet werden. Die Aggregation der Forderungsbestände, der Absicherung und der Ausfallrisiken nach Branchen, Geschäftsbereichen und/oder Regionen hilft, Klumpenrisiken zu identifizieren und zu minimieren. Die Einführung klarer Kreditrichtlinien, kombiniert mit Kreditversicherungs-Produkten wie Warenkreditversicherungen, XL-Versicherungen oder Bürgschaftsversicherungen, sichern die Liquidität der KMU wirksam ab. Langfristig kann der Aufbau eines internen Frühwarnsystems, das Ausfallrisiken, Forderungslaufzeiten und Zahlungsverhalten der Kunden kontinuierlich überwacht, nachhaltige Stabilität im Forderungsbestand schaffen.

  1. Eingeschränkte Liquidität

Österreichs KMU leiden weiterhin unter sinkenden Eigenkapitalquoten und teuren Krediten – nur noch 44 % verfügen über eine solide Eigenkapitalausstattung. Viele Betriebe verlängern daher die Zahlungsziele, die sie in Anspruch nehmen, um ihre Liquidität zu sichern. Hohe Zinsen und schwächere Nachfrage verschlechtern die Lage erheblich.

Ein aktives Working-Capital-Management die Liquiditätssituation entscheidend verbessern. Unternehmen können z.B. Factoring‑Instrumente nutzen, um Forderungen sofort in Liquidität umzuwandeln. Auf der Einkaufsseite können sie gleichzeitig die Zahlungsziele bei ihren Lieferanten durch zentrale Genehmigungsprozesse steuern. Außerdem können hier verschiedene Instrumente zur Einkaufsfinanzierung – wie beispielsweise Reverse-Factoring oder Finetrading genutzt werden. Parallel kann eine leistungsfähige, digitale Liquiditätsplanung den Cashflow überwachen und aufkommende Engpässe in Echtzeit aufzeigen. Banken verlangen von ihren Kreditnehmern auch zunehmend Risikotransparenz. Daher ist ein strukturierter Reporting‑Prozess über Debitorenalter, Kreditlimits und Cash Conversion Cycle nahezu unerlässlich. KMU mit stark saisonalem Auftragseingang sollten kurzfristig benötigte Kreditlinien mit Sicherheiten absichern.

  1. Ineffiziente Forderungsprozesse

Viele KMU arbeiten mit historisch gewachsenen, manuellen Prozessen im Mahnwesen. Fehlende Integration zwischen Buchhaltung, CRM und Inkasso führt zu Medienbrüchen. Dies verlängert die Forderungslaufzeiten, erhöht das Fehlerpotenzial und steigert die Bearbeitungskosten und -zeiten je offener Rechnung.

KMU haben zu lange die Digitalisierung im Credit- und Forderungsmanagement unterlassen. Software as a Service-Angebote und cloudbasierte Lösungen für das Credit- und Forderungsmanagement machen auch für kleine Unternehmen eine qualifizierte Softwareunterstützung erschwinglich. Der Fokus sollte auf Automatisierung und Datenintegration liegen. Digitale Forderungsmanagement-Plattformen ermöglichen automatisierte Zahlungseingangsverarbeitung, Mahnläufe, KI-basierte Risikoprognosen und transparentes Reporting. Moderne Schnittstellen zu Treasury-, ERP- oder CRM-Systemen schaffen nicht nur Datenkonsistenz, sie beschleunigen und stabilisieren die Prozesse erheblich. Viele KMU leiden aber auch unter einem Mangel an Fachkräften im Credit- und Forderungsmanagement. Diese KMU sollten zudem prüfen, ob sie das Mahnwesen an spezialisierte Anbieter oder Inkasso-Partner auslagern, um einerseits ihre Ressourcen zu entlasten aber andererseits weiterhin ein leistungsfähiges Forderungsmanagement zu betreiben. Eine stetige Prüfung und Verbesserung der Prozesse sollte auch vor dem Credit- und Forderungsmanagement nicht halt machen.

  1. Unzureichende Bonitätsbewertung

Gerade im B2B-Bereich verlassen sich KMU noch zu häufig auf ihre Erfahrung (oder ihir Gefühl), auf veraltete Bonitätsdaten oder auf die Tragfähigkeit persönlicher Kundenbeziehungen. Das Risiko selektiver Informationsverzerrung ist hoch. Die Bonität langjähriger Kunden wird tendenziell zu „rosig“, die von potenziellen Neukunden dagegen eher zu „düster“ beurteilt. Trotz negativer Fakten gibt es eine Tendenz, langjährigen Kunden (wider besseres Wissen) weiterhin Kredit zu gewähren, obwohl der Wert der offenen und fälligen Rechnungen zunehmend wächst. Kein Wunder, dass im Falle einer Kundeninsolvenz die langjährigen Lieferanten häufig den größten Teil der Zeche zahlen.

Ein strukturiertes Bonitätsmanagement sollte daher auch in KMU sehr zeitnah verpflichtend in den Vertriebs- und Kreditfreigabeprozess integriert werden. Neben externen Quellen wie KSV 1870, Creditreform, Creditsafe oder CRIF sollten auch interne Zahlungserfahrungen ebenfalls in die Risikobewertung einbezogen werden. Strukturierte und automatisierte Bonitätsüberwachungs- und -bewertungsmodelle können dabei helfen, Veränderungen in der Kundenbonität frühzeitig zu erkennen. Außerdem sollten Kreditlimits regelmäßig und kontinuierlich an die Bonitäts- und Risikoentwicklung angepasst werden – beispielsweise über ein Tool, das Kreditlimite und deren Nutzung automatisch überprüft.

  1. Steigende regulatorische Anforderungen

Das Jahr 2025 hat durch CRR‑III, ESG‑Regulierungen und erweiterte Offenlegungspflichten weitere Veränderungen für das Risikomanagement in Unternehmen gebracht. KMU stehen daher vor der Aufgabe, neue Anforderungen an Datenschutz, Compliance und Nachhaltigkeit zu erfüllen.

Credit Manager sollten regulatorische Risiken als Teil des finanziellen Gesamtrisikos betrachten und behandeln. Wichtig sind strukturierte Workflows, die in ihre Finanzprozesse integriert sind. Dokumentation und Reporting müssen digital hinterlegt sein. Die Einführung eines Risk‑Management‑Frameworks in einer einfachen Ausbaustufe ermöglicht es KMU, konforme Prozesse mit vertretbarem Aufwand zu implementieren. Die Zusammenarbeit mit externen Rechts- und Compliance‑Dienstleistern kann bei Bedarf den eigenen Aufwand reduzieren. Eine Integration der regulatorischen Pflichten in die eigene Kreditpolitik fördert nicht nur Rechtssicherheit. Sie schafft darüber hinaus Vertrauen bei Kreditgebern und Investoren.