Früherkennung von Ausfallrisiken!
Der KSV 1870 berichtet auf seiner Webseite, dass ausgehend von einem hohen Niveau, die Zahl der Firmenpleiten mit einem Plus von 3,4 % auch 2025 wieder gestiegen ist. Weiterhin führt er aus, dass die hohe Anzahl an nichteröffneten Verfahren die österreichische Wirtschaft belastet.
Wenn das Ausfallrisiko – wie oben beschrieben – steigt, dann kommt der Früherkennung dieser Risiken eine wachsende Bedeutung zu. Diesem Umstand hat der BvCM Österreich u.a. bereits in einer Veröffentlichung Mitte 2025 mit dem Titel „Take a closer look oder: Gefahr erkannt, Gefahr gebannt!“ Rechnung getragen.
Auch der kommende, 20. Virtuelle Credit Management Stammtisch am 24. März 2026, 17.00 Uhr bis 18.30 Uhr widmet sich dem Thema „Insolvenzfrüherkennung“.
Herr Thomas Pauer hat in einer Veröffentlichung des KSV 1870 fünf Anzeichen einer drohenden Insolvenz identifiziert.
Diese sind:
- Zahlungsverhalten ändert sich
- KSV-Rating verschlechtert sich
- Bilanz auffällig
- Branchenfunk, Haftung, Hinterlegung
- Keine Kredite mehr bei Banken
Von diesen Anzeichen einer drohenden Insolvenz sind aus unserer Sicht die „Änderung des Zahlungsverhaltens“ sowie „Branchenfunk, Haftung, Hinterlegung“ eher als frühe Anzeichen, die übrigen eher als spätere Anzeichen einer drohenden Insolvenz zu klassifizieren.
Je früher, desto besser!
Während es zuweilen ratsam ist, erst einmal abzuwarten, kann das im Fall von drohenden Kundeninsolvenzen nicht empfohlen werden. Je früher kreditgewährende Lieferanten und Dienstleister erkennen, dass bei ihrem Kunden das Ausfallrisiko zugenommen hat und eine Insolvenz droht, umso mehr Möglichkeiten besitzen sie, die Höhe der ausstehenden Forderungen zu begrenzen oder gar zu reduzieren. Denn mit dem Fortschreiten der Krise bei Ihrem Kunden, sinken dessen finanzielle Möglichkeiten und Handlungsspielräume Kredite zu bedienen und Rechnungen zu bezahlen. Und Ihre Chancen, die Außenstände zu realisieren und Zahlungseingänge zu schaffen sinken mit zunehmendem Krisenfortschritt. Und außerdem: Der Aufwand, den Sie im Management der Kundenbeziehung und der bestehenden Forderungen leisten müssen, steigt im weiteren zeitlichen Verlauf der Krise bei Ihrem Kunden erheblich. Getreu dem Motto: „Den Letzten beißen die Hunde.“ Geht der Lieferant leer aus, der sich zuletzt (oder zumindest zu spät) mit der drohenden Kundeninsolvenz befasst. Während andere Lieferanten oder Dienstleister bereits Maßnahmen ergriffen haben, die den Ausgleich alter Rechnungen bewirkt haben und neue Aufträge nur noch ohne Ausfallrisiko annehmen und ausführen (Sicherheiten oder Vorauskasse), liefert „der Letzte“ (in Unkenntnis der Lage) weiter munter auf Kredit.
Eine Kundeninsolvenz steht am Ende und nicht am Anfang der Krise
Wenn Ihr Kunde Insolvenz anmeldet, dann ist das bei Ihnen möglicherweise der Beginn einer krisenhaften Situation. Bei Ihrem Kunden ist das allerdings der (ggfs. vorübergehende) Tiefpunkt einer längeren Entwicklung. Wenn wir die eher selteneren Fälle von plötzlichen externen Kriseneintritten (Krieg, Pandemie etc.) einmal außeracht lassen, dann fallen Unternehmenskrisen in der Regel nicht vom Himmel. Forschungsergebnisse zeigen, dass Krisenverläufe, die zu einer Unternehmensinsolvenz führen, sehr häufig eine typische Abfolge aufzeigen. Die Kanzlei Grant Thornton identifiziert sechs typische Krisenstadien:
- Stakeholderkrise
- Strategiekrise
- Produkt- & Absatzkrise
- Ergebniskrise
- Liquiditätskrise
- Insolvenzreife
Leider merken Lieferanten und Dienstleister häufig erst dann, wenn Rechnungen nicht beglichen werden, dass sich der Kunde in der Krise befindet. Das ist spät – häufig leider zu spät. Je früher Unternehmen, die Lieferantenkredite gewähren, die Krise ihres Kunden erkennen, umso mehr Möglichkeiten besitzen sie, um den potenziellen Schaden zu begrenzen. Dazu ist es erforderlich frühe Indikatoren für Kundenkrisen wahrzunehmen und zu interpretieren.
Welche Indikatoren das sind, dazu werden Sie anlässlich des 20. Virtuellen Credit Management Stammtisch entsprechende Informationen erhalten. Wir werden das Thema aber auch im Nachgang dazu gerne weiter vertiefen.


